Lahmheitsdiagnostik

Ist der Bewegungsablauf des Pferdes gestört, spricht man von Lahmheit. Das Pferd kann seine Beine nicht mehr normal bewegen und versucht das betroffene Bein zu entlasten, in dem es die anderen Beine verstärkt belastet. Dadurch kommt es zu einer Ungleichmäßigkeit im Gang und das Pferd fällt als lahm auf. Ursache hierfür können sowohl Schmerzen im Bewegungsapparat als auch verschiedene Erkrankungen sein.

Generell unterscheidet man bei der Lahmheit zwischen einer Stützbein- und Hangbein-Lahmheit. Bei der Stützbein-Lahmheit ist kommt es zu Schmerzen beim Belasten, also Auftreten. Das Pferd versucht möglichst kein Gewicht auf das betroffene Bein zu geben.

Bei der Hangbein-Lahmheit hingegen treten die Schmerzen nicht beim Auftreten auf, sondern durch die Vorwärtsbewegung des Beins. Dies führt häufig zu einer verkürzten Schrittlänge.

Fällt das Pferd als lahm auf, sind Besitzer häufig verunsichert, ob ein Tierarzt hinzugezogen werden muss und wie ernst die Situation ist. Um die Dringlichkeit einer Behandlung besser beurteilen zu können, gibt es einen den Lahmheitsscore. Dieser bewertet das Auftreten der Lahmheit und hilft einzuschätzen, wann der Tierarzt hinzugezogen werden sollte.

 

1. Grad: undeutlich, geringgradig = eine Störung ist nur im Trab zu erkennen, jedoch tritt sie nicht permanent auf
2. Grad: deutlich, geringgradig = die Störung tritt permanent im Trab auf
3. Grad: mittelgradig = die Störung ist deutlich im Schritt und Trab zu erkennen
4. Grad: hochgradig = das Abstellen des Hufs erfolgt nur noch auf Zehenspitzen (Zehenfußen)
5. Grad: höchstgradig = im Schritt kommt es zu keiner Belastung des betroffenen Beins, Trab ist nicht mehr möglich

Bei den Graden 1 bis 3 handelt es sich um keinen akuten Notfall. Hier kann zunächst beobachtet werden, ob sich die Symptome verbessern. Bei einer hochgradigen bis höchstgradigen Lahmheit sollte jedoch umgehend der Tierarzt hinzugezogen werden, um eine schnellstmögliche Behandlung einzuleiten!

Zusätzlich zur Art der Lahmheit sollte immer noch betrachtet werden, wie diese aufgetreten ist. Kam sie plötzlich und mit großer Heftigkeit oder hat sie langsam eingesetzt? Dies kann Hinweise auf mögliche Ursachen für die Lahmheit geben.

Wird ein Pferd mit Lahmheit beim Tierarzt vorgestellt, erfolgt zunächst die Anamnese. Allgemeine Angaben wie Alter, Gewicht, Geschlecht und Rasse werden abgefragt. Ebenfalls wichtig ist die Befragung über Vorerkrankungen und -behandlungen, sowie den Verwendungszeck des Pferdes. Diese Informationen können erste Hinweise auf mögliche Ursachen für die Lahmheit liefern.

Im Zuge der Untersuchung führt der Tierarzt zunächst eine Adspektion durch. Dabei handelt es sich um eine optische Überprüfung des Tieres. Besonders betrachtet werden dabei Körperhaltung und Gliedmaßenstellung, sowie der Pflege- und Gesundheitszustand. Aber auch Hufe, Bemuskelung und der Rücken (insbesondere Widerristgröße und Verlauf der Wirbelsäule) werden erfasst.

 

Anschließend erfolgt die Palpation, die Befundung bestimmter Regionen durch Abtasten und Befühlen. Dabei wird besonders auf Schmerzreaktionen des Pferdes, sowie Schwellungen und Wärme möglicher betroffener Stellen geachtet.

 

Bei der folgenden Beugeprobe werden die Beine des Pferdes für etwa eine Minute gebeugt, danach soll das Pferd vortraben. Hierbei wird überprüft, ob sich das Krankheitsbild durch die gezielt herbeigeführte Belastung vermehrt. Wenn ja hilft dies, den Ursprung der Lahmheit besser zu lokalisieren.

 

Einen wichtigen Bestandteil der Untersuchung bildet die Bewegung des Pferdes. Das Pferd soll vortraben, wird longiert oder wenn möglich vorgeritten. Dies erfolgt im Optimalfall auf verschiedenen Böden, um festzustellen, ob sich die Symptomatik bei bestimmten Böden verstärkt oder verbessert. Weiterhin beurteilt werden die Schrittlänge und der generelle Bewegungsablauf des Pferdes.

 

Eine weitere Möglichkeit zur Lokalisation der Lahmheitsursache stellt die Leitungsanästhesie dar. Bei dieser werden gezielt bestimmte Nerven und somit auch die umliegenden Areale kurzfristig betäubt. Verschwindet die Lahmheit unter der Betäubung gibt dies Aufschluss auf die betroffene Region.

 

Mittels Hufzange kann der behandelnde Tierarzt feststellen, ob die Lahmheit möglicherweise aufgrund eines Hufgeschwürs entstanden ist. Mit der Hufzange wird auf verschiedene Stellen am Huf Druck ausgeübt, eine Druckempfindlichkeit kann dabei den Hinweis auf ein Hufgeschwür geben. Wichtig ist es dann mittels bildgebender Diagnostik wie Röntgen oder Ultraschall auszuschließen, dass es sich nicht um andere Ursachen, wie einen Bruch handelt.

 

Generell können bildgebende Verfahren nach Lokalisation der Ursache herangezogen werden, um nähere Informationen zu erhalten. So können Verletzungen von Knochen, Bändern oder Sehnen ausgeschlossen oder bestätigt werden.

Zu den typischen Ursachen für Lahmheit zählen Knochenbrüche, Sehnenrisse oder -dehnungen, Entzündungen, Arthritis, Arthrose, Hufrehe, Überlastung und Unfälle.

Die Therapie ist abhängig von der Ursache, die die Lahmheit ausgelöst hat. Beruht die Lahmheit auf einer Entzündung werden zusätzlich zur Schmerzmedikation entzündungshemmende Mittel verabreicht. Weiterhin möglich ist die Verschreibung von Physiotherapie und speziellen Beschlägen sowie eine Stammzell-Injektion direkt in das betroffene Gelenk (z.B. bei Arthrose). Auch eine Behandlung mit ACP (körpereigenes konditioniertes Blutplasma) ist möglich und kann Erfolg bringen. Wenn keine Boxenruhe nötig ist, kann vom Tierarzt auch ein individueller Bewegungsplan aufgestellt werden.